Ash: Erster Blick auf Askeladden-Plattformer für Amiga 500
Ash ist ein neuer Plattformer, den Entwickler Thomas Mayer Foss für den Commodore Amiga baut, und sein Held stammt aus der norwegischen Volkssage. Die ersten Bilder sehen klasse aus, und die technischen Ziele dahinter sind genauso spannend wie die märchenhafte Ausgangslage.
Entdeckt hat das Projekt Indie Retro News, die es über die AMIGA-4EVER-Community und Walter Mamo aufgegriffen haben. Noch ist alles in Arbeit, aber es gibt schon jetzt einiges zu erzählen.
Ein Volksheld bekommt seine Chance
Askeladden ist eine feste Figur aus traditionellen norwegischen Volksmärchen, meist der jüngste von drei Brüdern. Niemand traut ihm viel zu, und trotzdem hat er am Ende meistens Erfolg. Im Englischen wird sein Name oft mit "the Ash Lad" wiedergegeben, daher auch der kurze Titel des Spiels.
Ash hält sich eng an dieses Muster. Ihr spielt den übersehenen jüngsten Bruder, der loszieht, um eine Prinzessin und das halbe Königreich zu gewinnen. Klassischer geht ein Märchenziel kaum, und es passt gut zu einem seitlich scrollenden Plattformer.
Askeladden ist nicht allein unterwegs. Auf seiner Reise trifft er drei Gefährten, zwischen denen ihr während des Spiels wechseln könnt:
- Der Steinfresser
- Der Leichtfüßige
- Der mit dreizehn Wintern und sieben Sommern
Jeder von ihnen hat eigene Fähigkeiten, und ihr braucht sie alle, um die Hindernisse im Spiel zu überwinden. Was genau die einzelnen Gefährten können, hat Foss noch nicht verraten. Schon die Namen deuten auf Stärke, Beweglichkeit und uralte Weisheit hin, aber das ist von meiner Seite reine Vermutung, bis die Devlogs die Lücken füllen.
Fünf Welten, ein Troll
Die Reise führt durch fünf Welten. Sie beginnt in dichten Wäldern, geht hinauf in raues Berggelände und dann weiter bis in die Wolken. Das Finale spielt am Hof des Königs und in der Höhle eines Bergtrolls.
Das passt. Ein norwegisches Volksmärchen ohne Troll irgendwo am Ende geht eigentlich nicht.
Bislang wurde nur die Waldwelt in Spielszenen gezeigt. Sie ist hell und farbenfroh, voller Details und bewegt sich mit echtem Parallax-Scrolling. Wer mit Amiga-Plattformern aufgewachsen ist, dürfte bei diesem mehrschichtigen Hintergrundeffekt ziemlich nostalgisch werden.
Auf die harte Tour gebaut
Hier wird Ash richtig beeindruckend. Foss zielt mit dem Spiel ganz klar auf Originalhardware, und zwar nicht auf eine aufgemotzte Maschine. Zielsystem ist ein gewöhnlicher Amiga 500 mit dem ursprünglichen OCS-Chipsatz, 512 KB Chip-RAM und 512 KB Slow-RAM.
Für alle, die nicht mit diesen Rechnern groß geworden sind: OCS steht für Original Chip Set, also die Grafik- und Soundhardware der ersten Amigas. Es ist der am stärksten eingeschränkte Amiga-Chipsatz. Viele moderne Homebrew-Projekte setzen auf spätere AGA-Rechner oder zusätzlichen Speicher, um mehr aus dem System herauszuholen. Ash nicht.
Die Engine ist eine Eigenentwicklung und komplett in Assembler geschrieben. Das ist der hardwarenahe Weg, langsam und mühsam in der Arbeit, aber genau so holt man jeden letzten Taktzyklus aus alter Hardware heraus. Laut Foss laufen die gezeigten Szenen mit flüssigen 50 Bildern pro Sekunde auf einem echten Rechner, nicht in einem Emulator.
Außerdem betont Foss, dass keine KI-generierten Grafiken verwendet werden. Alles, was ihr seht, ist von Hand gemacht.
Er bezeichnet Ash als Hobbyprojekt, aber als eines, das er auf jeden Fall fertigstellen will. Das ist beruhigend zu hören, denn viele ambitionierte Retro-Projekte bleiben nach einem hübschen Teaser stecken.
Was noch fehlt
Der Soundtrack ist noch nicht fertig, die Musik ist also noch eine offene Frage. Einen Veröffentlichungstermin gibt es ebenfalls nicht, und auch zum Vertrieb des Spiels ist noch nichts bekannt.
Wer am Ball bleiben will: Die offizielle Projektseite heißt "Ash - a game for Amiga". Dort veröffentlicht Foss regelmäßig Devlogs, dazu Konzeptzeichnungen und ausführliche Vorschauen auf die einzelnen Welten, sobald sie Gestalt annehmen.
Die Reaktionen sind bisher herzlich. Ein Kommentator bei Indie Retro News zählte auf, was ihm gefällt: keine KI, keine Engine von der Stange, kein Fast-RAM nötig, reiner Assembler-Code und OCS-Unterstützung. Er nannte das den ursprünglichen Amiga-Geist, und da kann man kaum widersprechen.
Unsere Einschätzung
Ash reiht sich in ein ereignisreiches Jahr für Amiga-Homebrew ein. Wir haben erst kürzlich darüber berichtet, dass Castlevania AGA Version 1.0 erreicht hat und dass die Defender-Portierung von Acidbottle in die frühe Alpha gegangen ist. Bei vielen dieser Projekte geht es darum, Arcade-Klassiker auf den Rechner zu bringen. Ash sticht heraus, weil es ein eigenständiges Spiel mit eigener Welt ist, verwurzelt in einer Kultur, die in Plattformern selten im Rampenlicht steht.
Auch die Entscheidung für einen nackten A500 spielt eine Rolle. Sie lässt darauf schließen, dass Foss das größtmögliche Publikum unter denen erreichen will, die noch echte Hardware besitzen, und nicht nur Besitzer aufgerüsteter oder späterer Modelle. Und sie macht die Parallax-Szenen mit 50 fps noch bemerkenswerter.
Spannend wird vor allem, wie sich das Wechseln zwischen den Gefährten in der Praxis anfühlt und ob die späteren Welten mit dem Wald mithalten können. Der Soundtrack wird eine weitere Bewährungsprobe. Ein Hobbyprojekt mit so viel Ehrgeiz kann lange dauern, da ist womöglich Geduld gefragt. Nach dem, was bisher zu sehen war, sieht Ash aber nach einem Spiel aus, das man im Auge behalten sollte.
