Toem 2: Charmante Foto-Fortsetzung ohne großes Risiko
Toem 2 erscheint heute, am 29. September 2026, und die ersten Urteile trudeln ein. Entwickler Something We Made, der das Spiel zusammen mit popagenda veröffentlicht, schickt sein monochromes Foto-Abenteuer in einem brandneuen 3D-Look zurück ins Rennen. Jill Grodt hat es für The Indie Informer auf dem PC gespielt und war sehr angetan, allerdings mit einem Vorbehalt, der sie nicht ganz loslässt.
Die Kurzfassung? Ein warmer, sanfter Ausflug mit der Kamera in der Hand. Nur an die Höhen des Originals kommt er nicht ganz heran.
Ein Wort für das Gefühl
Grodt beginnt ihre Kritik mit Hygge, dem norwegischen und dänischen Wort für die wohlige Zufriedenheit, die eine gemütliche, angenehme Atmosphäre auslöst. Für sie passt der Begriff in zweierlei Hinsicht zu Toem. Er beschreibt, wie sich das Spiel anfühlt. Und er erklärt, warum es überhaupt eine Fortsetzung gibt.
Something We Made sitzt in Schweden, und durch diese Verbindung hat es bei ihr Klick gemacht. "Toem" könnte weniger ein einmaliges Ereignis sein als vielmehr ein Sammelbegriff, so wie Hygge. Vor der Ankündigung der Fortsetzung hielt sie den Aufstieg in die Berge aus dem ersten Teil für eine einmalige Sache. Sie konnte sich keinen Grund vorstellen, warum die Hauptfigur diese Kletterpartie noch einmal antreten sollte.
Zurück in Homelanda
Die Fortsetzung beginnt an einem vertrauten Ort. Du wachst wieder im gemütlichen Homelanda auf, und laut Grodt ist das der ideale Schauplatz, um den neuen Grafikstil zu präsentieren. Dein kleines Schlafzimmer, das entspannte Wohnzimmer und eine jubelnde Nana kehren in 3D zurück. Damit waren ihre Sorgen schnell verflogen, ob der neue Look das Gefühl des ersten Teils noch transportieren kann.
Dann schickt Nana dich zum Fernseher. Ein Nachrichtenbericht erklärt, was Toem in dieser schwarz-weißen Welt wirklich bedeutet. Es ist nicht ein bestimmtes Ding. Es ist eine Art von Ereignis, ein Moment dramatischer und faszinierender Veränderung.
Diesmal wird das Phänomen in einem weit entfernten Park erwartet, der rund um einen fast schon sagenumwobenen Baum angelegt ist. Das ist dein neues Ziel. Die Route ist eine andere, doch wer den ersten Teil gespielt hat, wird vieles vom Aufbau wiedererkennen.
Wo es hakt
Genau diese Vertrautheit ist der Knackpunkt. Grodt räumt ein, dass sie das Original so gut kennt, dass das womöglich einen Teil ihres Entdeckergefühls gedämpft hat. Es sei trotzdem eine sehr schöne Reise gewesen, schreibt sie. Sie hatte aber den Eindruck, dass dieses Kapitel nicht an die kreativen Höhepunkte seines Vorgängers heranreicht, vor allem bei den Rätseln.
Das ist ein typisches Problem bei Fortsetzungen kleiner, überraschender Spiele. Der erste Teil erwischt dich kalt. Der Nachfolger kann das kein zweites Mal.
Stempel, Schnappschüsse und Viecher
Beim reinen Spielspaß liefert Toem 2 aber ab. Das bewährte Spielprinzip ist zurück. Du hilfst Leuten, und für deine guten Taten gibt es Stempel, die als Busfahrkarte ins nächste Gebiet dienen. Grodt sagt, sie habe ihre Kamera ständig und nach Herzenslust benutzt.
Ein paar Gebiete sind ihr besonders im Gedächtnis geblieben:
- Ein Level voller Fantasy-Klischees hat ihr von Anfang bis Ende ein Lächeln ins Gesicht gezaubert
- Das Aquarium in der Großstadt fühlte sich an wie ein kleiner Schulausflug
- Ein üppiges Bauernhof-Level ließ sie fröhlich ihr Tier-Kompendium füllen
Neue Kameratricks gibt es auch. Werkzeuge wie Hammer und Schraubenzieher eröffnen dir neue Möglichkeiten, mit der Welt zu interagieren. Außerdem kannst du das Objektiv auf bestimmte Gegenstände scharfstellen, um gezielt etwas auszulösen.
Das Fazit
Grodt nennt Toem 2 einen soliden Teil einer Reihe, von der sie hofft, dass sie noch lange weiterläuft. Das Ende löst einige der längeren Quests auf herzerwärmende Weise auf, und nach rund fünf Stunden, die sie als voller Zufriedenheit beschreibt, sah sie den Abspann.
Sie empfiehlt das Spiel Fotografie-Fans, Komplettisten, die gern "alle fangen" wollen, und allen, die sich ein paar Stunden gemütliche Ruhe gönnen möchten.
Unsere Einschätzung
Toem 2 wirkt wie eine sichere Fortsetzung, im besten wie im schlechtesten Sinne. Der Wechsel zu 3D war das große Wagnis, und nach dieser Kritik zu urteilen scheint er geglückt. Das Hygge-Gefühl, das Spielen mit der Kamera und die kleinen guten Taten haben den Umzug überstanden. Gelitten hat offenbar die Überraschung. Weil der Aufbau des Originals wiederverwendet wird, fühlt man sich schnell zu Hause, aber vielleicht wirken die Rätsel genau deshalb weniger einfallsreich.
Das passt zu einem größeren Trend bei gemütlichen Indie-Fortsetzungen. Studios behalten, was die Fans geliebt haben, und ändern die Präsentation, und auch Moonlighter 2 geht einen ähnlichen Weg und baut eine bekannte Formel aus, statt sie neu zu erfinden. Für entspannte Spieler ist das größtenteils eine gute Nachricht. Ein Fünf-Stunden-Spiel, in dem man zuverlässig versinken kann, ist an einem ruhigen Abend Gold wert.
Es lohnt sich, im Blick zu behalten, wie andere Kritiker reagieren. Wer neu in der Reihe ist, wird das Problem mit der Vertrautheit vielleicht gar nicht spüren. Sollte daraus die langlebige Reihe werden, die Grodt sich wünscht, lautet die größere Frage, ob Something We Made beim nächsten Mal mehr kreative Risiken beim Rätseldesign eingeht. Wer bis dahin sanfte Spiele mit kreativem Dreh mag, hat vielleicht auch Spaß mit dem gehäkelten Städtebauspiel Cotton City, um sich die Wartezeit zu vertreiben.
