Marupoyo-Vorschau: Mit einem Küken durch 120 Level kippen
Marupoyo gehört zu den Spielen, die man in etwa fünf Sekunden verstanden hat. Da ist ein kleines, rundes Küken. Da ist ein Level voller Gefahren. Ihr neigt euren Controller, und das Küken rollt los. Mehr steckt nicht hinter der Idee, und sie ist gut.
Spannend wird es bei der Frage, für wen das Spiel gedacht ist. Marupoyo soll sanft genug sein, dass auch kleine Kinder sofort loslegen können, und älteren Spielern trotzdem reichlich zu knabbern geben, wenn sie alles sehen und erledigen wollen, was das Spiel zu bieten hat. Indie Games Plus konnte auf der Gamescom, der großen jährlichen Spielemesse in Köln, eine Demo anspielen und war beeindruckt, wie gut das Konzept aufgeht.
Immer schön rollen lassen
Jedes Level in Marupoyo passt auf einen einzigen Bildschirm. Eure Aufgabe: das Küken durch Neigen des Controllers vom Start ins Ziel bringen, unterwegs Maiskörner einsammeln und Wasser und Lava meiden. Rollt ihr in eines von beidem hinein, geht es wieder von vorne los.
Klingt auf dem Papier einfach. In der Praxis verlangt die Neigungssteuerung aber mehr Fingerspitzengefühl als ein normaler Analogstick. Kippt ihr zu stark, schießt euer gefiederter Freund über die Stelle hinaus, an der er eigentlich anhalten sollte. Marupoyo scheint genau diese Spannung bewusst auszukosten, statt sie zu glätten.
Mit bloßen Abgründen gibt sich das Spiel aber nicht zufrieden. Spätere Abschnitte bringen Windböen, die das Küken vom Kurs abbringen, bewegliche Blöcke, die den Aufbau unter euren Füßen verändern, und Pilze, die euch herumschleudern. Jedes dieser Elemente verändert, wie ihr an einen Bildschirm herangehen müsst. Bei insgesamt 120 farbenfrohen Leveln bleibt viel Platz, um diese Ideen miteinander zu kombinieren.
Ein Modus für die Kleinen
Jetzt kommt der Teil, der Eltern wohl am meisten interessieren dürfte. Marupoyo bietet einen kinderfreundlichen Modus, in dem die Gefahren von Wolken abgedeckt werden. Wasser und Lava sind zwar im Grunde noch da, aber die Wolken verhindern, dass das Küken tatsächlich hineinfällt.
Eine clevere Lösung. Jüngere Spieler können herumrollen, Mais sammeln und das Ziel erreichen, ohne sich über ständiges Scheitern zu ärgern. Niemand muss den Controller nach dem zehnten Bad in der Lava wieder an einen Erwachsenen weiterreichen.
Schaltet ihr den Modus aber ab, wird aus dem Spiel etwas ganz anderes. Dann achtet ihr genau auf jede Bewegung und müsst euch jeder Gefahr stellen, sobald sie auftaucht. Laut der Vorschau steckt eine echte Herausforderung darin, jedes Level zu knacken und sich durch alle 120 davon zu kämpfen.
Verlorene Geschwister und neue Skins
In Marupoyo steckt auch eine kleine Geschichte. In den Leveln verstreut warten weitere Küken darauf, gerettet zu werden. Einmal befreit, tanzen und lachen sie, und jedes davon liefert ein kleines Stück der Handlung.
Reine Kulisse sind sie aber nicht. Die geretteten Küken sind eure verlorenen Geschwister, und später könnt ihr sie auch selbst spielen. Je mehr von eurer Familie ihr aufspürt, desto mehr Auswahl habt ihr also, wer gerade rollt.
Genau diese Vielfalt hob der Tester als Highlight hervor, sowohl die verschiedenen Skins als auch die Story-Häppchen, die sich nach und nach freischalten. Ein runder Kreislauf: Level spielen, Geschwister finden, neue Looks freischalten und ein bisschen mehr darüber erfahren, was mit allen passiert ist.
Alles dreht sich ums Neigen
Das größte Lob in der Vorschau bekam die Steuerung. Die Neigungsmechanik funktioniere perfekt, hieß es, was auch Sinn ergibt, schließlich ist das ganze Spiel darauf aufgebaut. Hier handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Plattformer, dem man nachträglich eine Bewegungssteuerung übergestülpt hat. Das Neigen ist das Spiel.
Deshalb lohnt es sich auch, die geplante Version für die Nintendo Switch im Auge zu behalten. Der Tester merkte an, es werde spannend zu sehen, wie sich Marupoyo künftig auf dieser Plattform spielt. Einen festen Erscheinungstermin gibt es bisher nicht, aber ihr könnt Marupoyo schon auf Steam auf eure Wunschliste setzen.
Unsere Einschätzung
Marupoyo wirkt wie ein kleines Spiel mit einer klaren Vorstellung davon, was es sein will, und das ist eine Menge wert. Viele Spiele versuchen, Kindern und erfahrenen Spielern gleichermaßen zu gefallen, und am Ende ist keiner von beiden zufrieden. Der kinderfreundliche Modus mit den Wolken deutet auf einen durchdachteren Ansatz hin: Statt das ganze Spiel zu vereinfachen, entfällt das Scheitern nur für diejenigen, die das brauchen, während alle anderen die volle Herausforderung behalten. Damit ist Marupoyo ein vielversprechender Kandidat für Familien, die gemeinsam spielen, und passt gut zu anderen sanften, entspannten Titeln wie Toem 2.
Außerdem reiht es sich in eine kleine Welle von Indies ein, die sich um ein ungewöhnliches Steuerungskonzept drehen, ähnlich wie die reine Maussteuerung beim Rennspiel Vacuum Pilot 2. Die große Frage ist, wie sich das Neigen auf unterschiedlicher Hardware anfühlt. Ein Spiel, das so stark von Bewegungssteuerung abhängt, steht und fällt mit der Umsetzung. Es lohnt sich also zu beobachten, ob die Switch-Version eine sorgfältige gelungene Portierung wird. Als Nächstes heißt es jedenfalls: Augen offen halten nach einem Erscheinungstermin.
