Star Trek: Judgment Rites beamt sich endlich auf den Amiga

Star Trek: Judgment Rites beamt sich endlich auf den Amiga

Manche Lücken in der Amiga-Bibliothek ärgern Fans seit Jahrzehnten. Das hier ist eine der größeren. Star Trek: Judgment Rites, der Nachfolger von Star Trek: 25th Anniversary, ist nie für den Amiga erschienen. Jetzt hat ein Entwickler namens nexusle das nachgeholt, und zwar mit einem eigenen Interpreter, der das Originalspiel auf Commodores Rechner zum Laufen bringt.

Der Zeitpunkt hat fast etwas Poetisches. Vor 34 Jahren brachte Interplay 25th Anniversary erstmals auf den Amiga. Die Crew der Enterprise hat lange auf eine zweite Mission auf dieser Plattform gewartet.

Die Fortsetzung, die den Amiga ausließ

In den 1990ern bekam Star Trek: 25th Anniversary eine offizielle Umsetzung für Amiga-AGA-Rechner. AGA ist der erweiterte Grafikchipsatz, der in späteren Amiga-Modellen steckt. Viele Spieler gingen wohl davon aus, dass die Fortsetzung denselben Weg nehmen würde. Tat sie aber nicht.

Judgment Rites blieb MS-DOS und Macintosh vorbehalten. Amiga-Besitzer, denen das erste Spiel gefallen hatte, standen mit leeren Händen da. Wer wissen wollte, wie es weitergeht, brauchte einen anderen Computer.

So etwas bleibt in einer Retro-Community hängen. Das Spiel, das einem durch die Lappen gegangen ist, vergisst niemand so ganz.

So funktioniert der Interpreter

nexusle hat das Spiel nicht von Grund auf neu geschrieben. Das Projekt ist ein Interpreter, also eine Software, die den originalen Spielcode von Judgment Rites aus den Jahren 1993-95 einliest und ausführt. Anders gesagt: Es ist das echte Spiel, es läuft nur auf Hardware, für die es nie gedacht war.

Der Interpreter unterstützt einige zentrale Amiga-Technologien:

  • AGA-Grafik, für Rechner mit dem erweiterten Chipsatz
  • RTG-Grafikkarten, die modernen Zusatz-Grafikkarten, die manche Amiga-Besitzer für höhere Auflösungen und mehr Farben nutzen
  • AHI-Audio, ein Amiga-Soundsystem, das laut Quelle für glasklaren Klang sorgt

Damit ist eine Menge abgedeckt. Ob man nun ein eher normales AGA-System betreibt oder einen kräftig aufgerüsteten Rechner mit Grafikkarte: Für beides ist gesorgt.

Geringere Anforderungen als die Mac-Version

Das hier hat mich ehrlich überrascht. Die ursprüngliche Macintosh-Version von Judgment Rites verlangte einiges. Sie brauchte einen leistungsstarken 68040-Prozessor, und das war damals ernsthafte Hardware.

Der Amiga-Interpreter ist da deutlich genügsamer. Laut Quelle ist er stark optimiert und lässt sich bis hinunter auf eine bescheidene 68ec020-CPU herunterskalieren, solange FastRAM eingebaut ist. Damit es auf diesem Niveau läuft, reichen ein paar einfache Anpassungen an den Tooltypes des Programms. Für alle, die keinen Amiga haben: Tooltypes sind Einstellungen, die in der Icon-Datei eines Programms gespeichert sind und die man bearbeiten kann, um sein Verhalten zu ändern.

Die Amiga-Version läuft also auf schwächerer Hardware, als die Mac-Version verlangte. Nicht schlecht für ein Spiel, das hier eigentlich nie hätte landen sollen.

Wo es das Spiel gibt

Auch bei der Veröffentlichung gibt es Neuigkeiten. AmigaFrance stellt einen vollständigen Download bereit, sodass sich jeder, der es ausprobieren möchte, das komplette Paket holen kann.

Wer einen AGA-Rechner mit etwas FastRAM herumstehen hat, hat damit einen ziemlich guten Grund, mal wieder dorthin zurückzukehren, wo noch nie ein Mensch gewesen ist.

Unsere Einschätzung

Diese Veröffentlichung passt zu einem Muster, das wir in der Amiga-Szene immer wieder sehen. Fans bewahren nicht nur, was damals erschienen ist. Sie füllen auch die Lücken, die nie geschlossen wurden. Projekte wie Castlevania AGA zeigen, wie viel Energie in Spiele fließt, die die Plattform verpasst hat, und mit Judgment Rites kommt ein bekanntes Lizenz-Adventure auf diese Liste.

Besonders spannend ist der Ansatz mit dem Interpreter. Den originalen Spielcode auszuführen, statt alles von Hand nachzubauen, deutet auf einen Weg hin, der das Ausgangsmaterial respektiert und es trotzdem an neue Hardware anpasst. Das ist ein anderer Weg als komplette Umsetzungen wie Flashback auf dem Atari ST oder die umgekehrte Reise bei Wolf Duology.

Es lohnt sich zu beobachten, wie die Spieler reagieren, vor allem jene, die es auf schwächeren 68ec020-Systemen testen. Die Rückmeldungen von diesen Rechnern dürften zeigen, wie gut sich die Optimierung im Spielalltag schlägt.