Double Dragons: Beat 'em Up mit Alternativgeschichte am PC

Double Dragons: Beat 'em Up mit Alternativgeschichte am PC

Nur wenige Arcade-Spiele aus den 1980ern strotzen noch heute so vor Selbstbewusstsein wie Double Dragon. Die Lee-Brüder, die Straßengangs und die Ellbogenschläge, mit denen man ganze Räume leerfegte, sind ein Stück Beat-'em-up-Geschichte. Jetzt gibt es eine neue PC-Veröffentlichung namens Double Dragons, und die ist kein simples Remake. Stattdessen stellt sie eine mutige "Was wäre, wenn"-Frage zur Reihe.

Das Projekt versteht sich als Fortsetzung der ersten beiden Hauptteile von Double Dragon in einer alternativen Geschichte. Außerdem wird es ganz offen als Liebesbrief an Yoshihisa Kishimoto bezeichnet, den Schöpfer der Reihe. Das ist eine Menge Nostalgie, der man gerecht werden muss.

Eine Zeitlinie, die es nie gab

Die Ausgangslage ist der spannendste Teil. Double Dragons malt sich eine Version der Geschichte aus, in der das japanische Studio Technosoft in den Ring steigt, um Capcoms Final Fight die Beat-'em-up-Krone streitig zu machen. Final Fight war damals das große Aushängeschild des Genres, die Prämisse dürfte also allen Spaß machen, die sich noch an die Rivalitäten der Spielhallen-Zeit erinnern.

Das Spiel wird als Prügelspiel in "Championship-Edition" angepriesen. Innerhalb seiner Fiktion gelten die Ereignisse der Originalspiele als Legenden aus einem postapokalyptischen New York. Die Idee gefällt mir sehr. Sie macht aus den alten Arcade-Geschichten Sagen, die die Menschen in dieser Welt weitererzählen, statt bloßer Vorgeschichte.

Das neue Spiel verspricht eine endgültige, bisher nie erzählte Geschichte. Dazu gehören ein richtiger Abschluss und eine überraschende Wendung am Ende. Bei einer Reihe, deren Handlung sich meist auf "Rette das Mädchen, verprügel alle" beschränkte, ist ein echtes Ende ein willkommenes Versprechen.

Größere Straßen, mehr blaue Flecken

Die Kampagne umfasst sechs große Missionen, aufgeteilt auf 14 unterschiedliche Level. Laut Ankündigung gibt es mehr Waffen, mehr Bosse und mehr Gegnervarianten als jemals zuvor in der Reihe.

Die Pixelgrafik wurde aufgewertet, und beim Spielablauf gibt es Komfortverbesserungen. Was genau sich dahinter verbirgt, verrät die Ankündigung nicht. Wer sich aber schon mal mit der hölzernen Steuerung älterer Prügelspiele herumgeschlagen hat, weiß, warum das wichtig ist.

Zwanzig Kämpfer und jede Menge Enden

Beim Kader trumpft Double Dragons so richtig auf. Es gibt 20 spielbare Kämpfer. Darunter ist auch Jeff, der farblich umgefärbte Rivale, den sich Fans immer wieder gewünscht haben. Jede Figur bekommt ihre eigene Endsequenz, es gibt also einen Grund, die Kampagne mehr als einmal zu spielen.

Außerdem gibt es einen optionalen "Blood Mode". Schaltet man ihn ein, bekommt jeder Kämpfer eigene Fatality-Finisher. Das Ganze lässt sich einfach umschalten, wer seine Straßenschlägereien also etwas weniger blutig mag, lässt die Option einfach aus.

Drei Minispiele obendrauf

Zum Paket gehören außerdem drei Minispiele im Retro-Stil, und jedes davon ist eine Verbeugung vor einer anderen Ecke der 1980er:

  • WWF King of the Ring - eine Prügelei im Wrestling-Stil.
  • Player Vs Player + - ein Kampfspiel für drei, das sich stark am Klassiker International Karate + orientiert.
  • A Fistful of Yen - ein Kampfsport-Rückblick als Hommage an Bruce Lee, den Commodore-64-Klassiker.

Für ein Beat 'em up ist das eine ungewöhnliche Mischung. Es wirkt weniger wie ein einzelnes Spiel und mehr wie eine Sammlung von Erinnerungen an die Heimcomputer- und Spielhallen-Zeit, alles unter einem Titel zusammengenäht.

Unsere Einschätzung

Double Dragons passt in ein Muster, das wir hier bei Relaxed Gamers immer wieder beobachten. Alte Lieblinge aus Spielhalle und Heimcomputer-Ära werden wieder aufgegriffen, überarbeitet und mit neuem Leben gefüllt, mal auf alter Hardware, mal auf modernen PCs. Auf der Hardware-Seite haben wir erst kürzlich über die P.O.W.-Portierung für den Amiga 1200 berichtet, ein weiteres Arcade-Prügelspiel, das ein neues Zuhause findet. Auf der PC-Seite zeigt das Fan-Remaster von Midwinter, wie sich ein Klassiker für heutige Spieler neu aufbauen lässt.

Was Double Dragons heraushebt, ist der Ansatz mit der alternativen Geschichte. Das Spiel poliert die alten Teile nicht einfach nur auf. Es baut eine erfundene Rivalität in der Spielebranche um sie herum und bettet die Originalgeschichten in seine eigene Welt ein. Das spricht für ein Projekt von Leuten, denen die Geschichte des Genres genauso am Herzen liegt wie das Spielerische.

Es lohnt sich, im Blick zu behalten, wie sich der Kader mit 20 Kämpfern in der Praxis schlägt, denn eine große Besetzung lässt sich nur schwer ausbalancieren. Auch die Komfortverbesserungen sind einen Blick wert, denn sie entscheiden darüber, ob sich das Spiel modern oder bloß nostalgisch anfühlt. Wenn die Wendung am Ende sitzt, könnte Double Dragons ein schönes Beispiel dafür werden, wie man einen Klassiker ehrt, ohne ihn einfach zu kopieren.