Wonder Boy: Neuer 68000-Port für Amiga und Mega Drive

Wonder Boy: Neuer 68000-Port für Amiga und Mega Drive

Manche Arcade-Spiele verschwinden einfach nie ganz. Wonder Boy ist eines davon, Segas Automatenspiel von 1986 über einen Jungen im Baströckchen, der um sein Leben rennt. Jetzt hat Entwickler ShinobiZ es auf zwei Geräte gebracht, die viele Retro-Fans noch immer angeschlossen haben: das Sega Mega Drive und den Commodore Amiga.

Das ist kein freies Remake aus der Erinnerung. Laut ShinobiZ handelt es sich um eine native Neuprogrammierung in 68000-Assembler, der maschinennahen Sprache des Motorola-Prozessors, der sowohl im Mega Drive als auch im Amiga steckt. Grundlage war direkt die Programmlogik des originalen Sega-System-1-Arcade-Boards, also der Hardware, auf der das Spiel ursprünglich in den Spielhallen lief. Dabei kam auch KI-Unterstützung zum Einsatz, was für manche von euch eine Rolle spielen dürfte. Dazu gleich mehr.

Zurück in Tom-Toms Röckchen

Falls ihr nie Münzen in den Automaten gesteckt habt: Die Ausgangslage ist simpel. Ihr spielt Tom-Tom, dessen Freundin Tanya vom bösen King entführt wurde. Um sie zurückzuholen, müsst ihr acht unterschiedliche Gebiete durchqueren, aufgeteilt auf 32 Runden.

Der Haken ist wie immer eure Vitalitätsleiste. Sie leert sich ständig, Stehenbleiben ist also nie eine gute Idee. Auffüllen könnt ihr sie, indem ihr jedes Stück Obst einsammelt, an das ihr herankommt. Nebenbei springt ihr auf Skateboards und schleudert Steinäxte nach allem, was auf euch zukriecht, -fliegt oder -rollt. Das Spiel treibt euch nach vorn, ob ihr bereit seid oder nicht, und genau dieser Druck macht nach wie vor den ganzen Reiz aus.

Komplettisten bekommen noch etwas extra zum Suchen. Wer alle 28 versteckten Puppen findet, schaltet ein geheimes achtes Gebiet frei.

Was alles drinsteckt

ShinobiZ zufolge läuft der Port mit voller Arcade-Geschwindigkeit und übernimmt das ursprüngliche Gegnerverhalten, die Kollisionsabfrage und die Punktewertung unverändert. Das ist eine mutige Ansage, und genau so etwas werden Puristen Bild für Bild überprüfen.

Jede Version bekommt eigene Musik und Soundeffekte, abgestimmt auf die jeweilige Hardware. Beim Mega Drive heißt das: seine eigenen Soundchips. Beim Amiga ist es der berühmte Paula-Chip, der speziell entwickelte Audiochip hinter so vielen geliebten Amiga-Soundtracks.

Für einen Port dieser Art fällt die Ausstattung großzügig aus:

  • Ein vollständiger Demo-Modus
  • Freispiel
  • Abwechselnder Mehrspielermodus
  • Highscore-Speicherung, auf dem Mega Drive über den Modulspeicher, auf dem Amiga per Diskette
  • Ein Arcade-Einstellungsmenü, um Startleben, Schwierigkeitsgrad und mehr anzupassen
  • Automatische Erkennung von PAL- und NTSC-Systemen

Der letzte Punkt ist praktisch für ein internationales Publikum. PAL und NTSC sind die alten regionalen Fernsehnormen, und wenn sie nicht zusammenpassten, gab es früher Ärger mit Geschwindigkeit und Bilddarstellung.

Was ihr zum Spielen braucht

Auf Mega-Drive-Seite reicht jede Mega-Drive- oder Genesis-Konsole, egal ob PAL oder NTSC. Wer lieber emuliert, findet Genesis Plus GX, BlastEm und MAME als Optionen aufgeführt. ShinobiZ reiht sich damit in eine wachsende Liste von Entwicklern ein, die Arcade-Titel auf Segas 16-Bit-Konsole bringen, ganz ähnlich wie beim kürzlich erschienenen Hang-On-Jr.-Port mit 60 fps.

Amiga-Besitzer brauchen ein OCS- oder ECS-Gerät mit Kickstart 1.3 oder neuer und 1 MB Speicher (512 KB Chip-RAM plus 512 KB). AGA-Rechner wie der A1200 und der A4000 schalten einen erweiterten Modus frei. Ihr könnt das Spiel von Diskette booten, von der Workbench aus starten oder auf Festplatte installieren. Als Emulatoren werden WinUAE und FS-UAE empfohlen.

Die KI-Frage

Hier werden sich die Geister scheiden. Wenn euch KI-gestützte Entwicklung abschreckt, gibt es bereits eine Alternative. Acidbottle hat schon 2023 eine viel gelobte Amiga-Version von Wonder Boy veröffentlicht, gebaut mit der Scorpion Engine. Auch seitdem war Acidbottle fleißig, etwa mit Projekten wie einem Centipede-Port für den Amiga, der sich jetzt in der Beta befindet.

Unsere Einschätzung

Diese Veröffentlichung sagt viel darüber aus, wo die Retro-Szene gerade steht. KI-gestützte Ports tauchen immer häufiger auf, von Outrun auf dem Amstrad CPC bis zu einer ganzen Reihe von Amiga- und C64-Projekten. Wonder Boy bringt allerdings eine neue Note mit. Es basiert auf der originalen Arcade-Logik und ist in nativem Assembler geschrieben. Das deutet darauf hin, dass KI hier eingesetzt wird, um die Fleißarbeit zu beschleunigen, und nicht, um das Verständnis der Hardware zu ersetzen.

Für Spieler liegt der Vorteil auf der Hand. Zwei Plattformen bekommen gleichzeitig einen reich ausgestatteten Port, und Amiga-Besitzer haben jetzt zwei Versionen desselben Spiels zum Vergleichen. Es lohnt sich zu beobachten, wie die Community das Versprechen eines authentischen Arcade-Verhaltens bewertet, sobald die Leute direkt im Vergleich mit dem Original spielen. Die größere Frage ist, ob ShinobiZ' Ansatz, von der ursprünglichen Programmlogik auszugehen, zum Vorbild für künftige Ports wird. Wenn er sich bewährt, könnten durchaus weitere Arcade-Klassiker gleichzeitig auf mehreren 68000-Rechnern erscheinen.