Enshrouded 1.0: Ein Survival-Spiel wie gemacht für zwei
Enshrouded ist in Version 1.0 erschienen, und zumindest eine langjährige Spielerin wird es so schnell nicht wieder aus der Hand legen. Jill Grodt von The Indie Informer hat bisher fast 200 Stunden im Spiel verbracht. Ihr Bericht über diese Stunden verrät eine Menge darüber, warum dieses Survival-Actionspiel bei so vielen unterschiedlichen Spielertypen anzukommen scheint.
Auffällig ist, dass sie den Großteil dieser Zeit weder mit Kämpfen noch mit Bauen verbracht hat. Sie hat gekocht.
Eine Köchin im Nebel
Grodt und ihr Partner lieben beide Spiele, sind aber meist in ganz unterschiedlichen Ecken des Hobbys unterwegs. Enshrouded ist eines der seltenen Spiele, in denen beide finden, was sie suchen.
Ihr eigener Spieldurchlauf dreht sich um die Jagd nach seltenen Zutaten, mit denen sie ihre Rezeptliste erweitert. Sie erkundet die Welt zu Fuß, dicht am Boden, und hält Ausschau nach allem, was sie neu ernten kann. Das Ganze beschreibt sie als seltsam erdend. Der Tag-Nacht-Wechsel trägt viel dazu bei. Morgens ergießt sich das Sonnenlicht über die Täler, nachts lässt die Dunkelheit leuchtende Pflanzen hervortreten. Gegenden in der Nähe ihrer Basis werden nach und nach vertraut, während sich die fernen Länder immer noch neu anfühlen.
Und dann ist da noch die Küchenausstattung. Öfen, Kochstellen, Butterfässer... sobald sie auch nur den kleinsten Hinweis auf eine neue Verbesserung bekommt, macht sie sich auf den Weg, egal wie weit entfernt sie ist.
Beutezüge im Team
Hier kommt ihr Partner ins Spiel. Grodt betont, dass Enshrouded in erster Linie ein Mehrspielertitel ist und Missionen deutlich runder laufen, wenn mindestens eine weitere Person mit dabei ist.
Die beiden haben eine feste Routine. Sie erkunden jeden Ort in Ruhe und schätzen ab, wie groß er ist und wie gut er bewacht wird. Grodt spielt eine eher heimliche Figur und zieht sich deshalb auf die Dächer zurück. Ihr schwer gepanzerter Partner stürmt den Hauptweg entlang und zieht die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich. Sind die feindlichen NPCs erledigt, schleicht sie durch die Gebäude und sucht nach Beute, wobei die Kochausrüstung der eigentliche Hauptgewinn ist.
Zurück in der Basis schaltet jedes neue Ausrüstungsteil frische Rezepte und Verarbeitungsmöglichkeiten frei. Manchmal fehlt einem Gericht nur eine einzige Zutat, und schon zieht sie wieder los, in tropische Wälder, sonnenverbrannte Wüsten oder dichte Waldgebiete, auf der Suche nach einem unbekannten Kraut. Wer gemeinsames Sammeln auf einer lebensfeindlichen Welt mag, sollte auch die kommende Beta von Craterlands im Blick behalten.
Grodt gibt zu, dass ihre Herangehensweise etwas ungewöhnlich ist. Trotzdem zeigt sie ihrer Meinung nach, wie offen das Spiel ist. Baumeister können viel Zeit in aufwendige Konstruktionen stecken. Kampffans können es mit dem Nebel und den Kreaturen aufnehmen, die er verformt hat. Einrichtungsliebhaber können durch das Land streifen und nach schönen Möbeln und Materialien suchen. Und wer einfach nur ein großes Abenteuer mag, hat jede Menge Welt zu erkunden.
Die kleine Änderung, die am meisten zählt
Grodt hat Enshrouded schon lange vor 1.0 gespielt. Ihre liebste Neuerung in der Vollversion ist eine bescheidene: Notizen werden jetzt vertont.
Notizen sind das wichtigste Mittel, mit dem das Spiel seine Geschichte erzählt. Früher hieß Lesen, schweigend stillzustehen, während ihr Partner wartete und das Geschehen in der Nähe weiterlief. Jetzt läuft der Text im Hintergrund, während sie in Bewegung bleibt, und sie sagt, sie habe endlich ein vollständigeres Bild davon, was den Verfall um sie herum ausgelöst hat. Außerdem weist sie darauf hin, wie ungewöhnlich es für ein Survival-Actionspiel ist, so viel Geschichte zu bieten.
Trotz ihrer dreistelligen Spielzeit ist sie nach eigener Aussage noch lange nicht fertig. Ein Teil des Reizes liegt darin, das Abenteuer mit einem Menschen zu teilen, der ihr nahesteht.
Unsere Einschätzung
Grodts Bericht legt nahe, dass die eigentliche Stärke von Enshrouded seine Flexibilität ist. Eine Spielerin mit Fokus aufs Kochen und ein Kämpfer an vorderster Front können sich einen Spielstand teilen, und beide haben das Gefühl, das Spiel sei für sie gemacht. Für entspannte Spieler ist das wichtig. Survival-Spiele müssen sich nicht immer um mühsames Kämpfen drehen, ein Trend, den wir auch bei Honeycomb: The World Beyond beobachtet haben.
Die vertonten Notizen sind ein gutes Beispiel für den Feinschliff, der aus einer langen Phase vor dem Release entstehen kann. Spannend wird sein, ob die Version 1.0 Solospieler genauso bei der Stange hält wie Koop-Duos und ob künftig mehr Survival-Spiele ihre Geschichten auf diese Weise erzählen.
